Mittwoch, 30. März 2016

Zur Nachahmung empfohlen

Ein liebenswert unaufdringlicher Protest am Rande eines Parkplatzes vor einem Lebensmittel-Discounter.
In nahezu jeder Stadt stehen sie dutzendfach auf den Parkstreifen an den Straßenrändern herum: kleine Autoanhänger, deren Hochplanen mit Werbebotschaften beklebt sind. Händler, Handwerker und Dienstleister betreiben so kostengünstig Werbung mit hohem Aufmerksamkeitswert. So ein kleiner Anhänger ist ja im Baumarkt schon für 500 Euro zu haben. Das ist auf Dauer erheblich billiger, als eine Plakatwand oder eine Litfaßsäule zu mieten. 
Und das steht auf dem Schild auf der rechten Seite des
Gepäckträgers.
Offenbar von den als mehr oder weniger mobile Werbeträger dienenden Autoanhängern inspiriert, nutzt die Vegan-Bewegung jetzt Fahrräder, um Menschen zum Nachdenken über ihre Ernährungsgewohnheiten anzuregen. Auf dem Parkplatz vor einer Filiale eines Lebensmittel-Discounters entdeckten wir heute ein – gut sichtbar für die Kunden – an einen Schilderpfahl angekettetes altes Damenrad mit gemalten Schildern am Gepäckträger, die gegen Fleischkonsum und für veganes Leben werben. Eine pfiffige Idee und eine charmante, Art der freien Meinungsäußerung und des stillen, unaufdringlichen Protestes, die wir hier ausdrücklich zur Nachahmung empfehlen. Die (nicht ganz) unbekannte Urheberin der Aktion – wir glauben zu wissen, um wen es sich handelt –  zeigt, dass es nicht unbedingt immer großer, medienwirksamer Aktionen bedarf, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Montag, 28. März 2016

Wohnungsnot gibt es auch auf dem Land

Einer der Turmfalken bewacht schon einmal den Eingang der neuen 
Wohnung, während sich die anderen drei noch in der Luft attackieren.
In der Nachbarscheune gibt es eine Wohnung, die ist heiß begehrt. Dabei hat sie nicht einmal einen Balkon, aber ein hübsches kleines Fenster nach Süden hinaus. Gut, die Metallverkleidung rundherum ist nicht so ganz unser Geschmack, aber wer möchte schon ungebetene Gäste wie Marder in der Kinderstube haben?!
Kinderstube? Marder? Bei der Wohnung, von der hier die Rede ist, handelt es sich um einen großen Nistkasten, innenliegend angebracht eigentlich speziell für Eulen. Tatsächlich brüteten dort über Jahre immer wieder Schleiereulen. Kurz bevor die kleinen Eulen flügge wurden, kam ein Ornithologenteam zum Beringen. Und jedes Jahr gab es Streit um diesen schönen, sicheren Nistplatz, in den gern auch ein Turmfalkenpärchen eingezogen wäre. Meistens gewannen die Eulen den Kampf, aber ein, zwei Mal behielten die Falken die Oberhand und zogen darin ihre Jungen groß.
Schleiereulen brüten dort nun seit Jahren nicht mehr, nach einem langen, sehr schneereichen Winter waren sie verschwunden. Und die Falken merkwürdigerweise mit ihnen. Der Nistkasten blieb mehrere Sommer verwaist. Bis im vergangenen Jahr plötzlich wieder Falken auftauchten, ihn ausgiebig inspizierten. Wir frohlockten wegen der schönen neuen Nachbarn, hatten uns aber zu früh gefreut. Nach der ersten Hausbesichtigung waren die Falken fort- und nicht eingezogen. Der Kasten blieb leer.
Immer wenn die Attacken des zweiten Falkenpaares in
der Luft zu heftig werden, eilt der Falke, der die Woh-
nung bewacht, dem Partner zur Hilfe.
In diesem Frühjahr gibt es jedoch allen Grund zur Hoffnung, seit Tagen umkreist ein Falkenpärchen die Höhle, ihre Rufe sind weithin zu hören. Immer wieder schlüpfen sie hinein- und hinaus. Das sieht gut aus. Doch heute war das Paar in Alarmbereitschaft. Warnlaute, Falken, die aufgeregt durch die Luft schossen. Nicht zwei Tiere, sondern vier. Ein zweites Paar war aufgetaucht, und es entbrannte ein heftiger lautstarker Streit, der sich erst mit dem schwindenden Licht der Dämmerung beruhigte.
Welches Pärchen gewonnen hat? Wir wissen es nicht, auch nicht, ob die Auseinandersetzung morgen weitergeht. Fest steht: Wir würden uns über die neuen Nachbarn freuen. Und vielleicht finden im nächsten Jahr sogar wieder Schleiereulen den Weg hierher.

video

Samstag, 26. März 2016

Initialzündung

Heute haben sich die Blattknospen der Kastanie soweit geöffnet, dass man schon etwas von den noch winzigen
und zusammengefalteten grünen Blättern sehen kann.
Der erste sonnige Frühlingstag, und schon scheint in der Natur alles zu explodieren. Nanu, dachten wir, als wir heute Nachmittag die Blattknospen unserer großen Kastanie am Haus betrachteten, die waren doch gestern noch geschlossen. Jetzt sind sie schon ein wenig geöffnet, sodass man bereits die  noch winzigen grünen Blätter darin sehen kann. Bis sie sich die Blätter entfalten, wird es noch einige Zeit dauern, aber das heute war gewissermaßen die Initialzündung. Die Bedingungen dafür waren auch gut: gestern reichlich Regen und heute Sonne satt.

Freitag, 25. März 2016

Auferstehung in der Pflanzenwelt

Der Rest einer Weide, die im vergangenen Herbst von einem Sturm umgerissen und danach zersägt worden ist, weil sie den Weg versperrte, sitzt jetzt voller Blütenkätzchen.
Was für ein trüber Tag! Gläubige Christen allerdings sollten sich über das miese Wetter heute nicht beschweren. Sonnenschein und blauer Himmel wäre, zumindest aus christlicher Sicht, etwas unpassend gewesen, schließlich ist Karfreitag ein Trauertag, an dem des Kreuzestodes Jesu Christi gedacht wird. Das "Kar" in "Karfreitag" ist vom althochdeutschen "kara" abgeleitet, was Klage oder Kummer bedeutet.
Aber es besteht Hoffnung: Ostersonntag, wenn die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wird, müsste den ganzen Tag die Sonne scheinen, zumindest wenn sich das Wetter weiterhin an den kirchlichen Kalender hält. Man darf gespannt sein ...
Apropos Auferstehung: Die gibt es auch in der Pflanzenwelt. Heute habe ich im Regen am Wegesrand eine Weide fotografiert, die im vergangenen Herbst von einem Sturm umgerissen worden war und den Weg versperrte. Der Grundeigentümer hat deshalb des Teil des Baumes, der quer über den Weg lag, abgesägt, den Rest aber liegen gelassen. Und jetzt blüht der eigentlich tote Baum. Seine  Zweige sind voller flauschiger Blütenkätzchen. Das ist kein Wunder, sondern es gibt eine einfache Erklärung dafür: Die Knospen sind schon im Herbst angelegt worden, als der Baum noch lebte. Offenbar war noch genug Saft im Stamm der Weide, um das Erblühen zu ermöglichen.
Das funktioniert allerdings nicht bei allen Bäumen. Weiden sind in dieser Hinsicht etwas Besonderes, sie können sich ja auch vegetativ vermehren. Steckt man einen abgeschnittenen Weidenzweig ins Wasser, so bildet dieser mit großer Wahrscheinlichkeit nach einiger Zeit Wurzeln, und man hat ein neues kleines Weidenbäumchen.

Montag, 21. März 2016

Reiche Ernte aus dem Großstadtdschungel

Brachflächen, Balkone, Hinterhöfe: Burkhard Bohne ist ein Fan der neuen Gemeinschaftsgärten und hat 
darüber jetzt ein Buch geschrieben. Foto: Kerstin Mumm
Berlin und Braunschweig – zwei Städte, die sonst nicht viel gemeinsam haben, außer vielleicht dem „B“ am Anfang. Berlin ist nicht nur Deutschlands Hauptstadt, sondern gleichzeitig auch noch die bevölkerungsreichste und von der Fläche her größte Gemeinde der Republik. Und noch etwas: Berlin ist die Keimzelle einer städtischen Gartenbewegung, die vor tristen Hinterhöfen nicht haltmacht und auch nicht vor fremder Leute Grundstücke. Gärtnermeister Burkhard Bohne, den wir auch schon einmal für eines unserer Gartenprojekte gewinnen konnten,  hat sich von Braunschweig aufgemacht in den Großstadtdschungel, hat Seminare gegeben, sich selbst inspirieren lassen. Die Früchte (nicht nur) seiner Hauptstadtbesuche gibt es jetzt ganz neu in Buchform: „Garden your City“, erschienen bei Kosmos.
Das neue Buch von Burkhard
Bohne.
Die Begegnung mit „Gartenaktivisten, die nicht viel wissen, aber unendlich neugierig sind“, waren eine belebende Erfahrung. Die Idee, die daraus gewachsen ist, bringt Kräuterworkshops, wie sie der Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig seit Jahren gibt, mit dem Gedanken des „Urban Gardening“ zusammen. „Gerade mit Kräutern kann jeder auf kleinstem Raum einen wesentlichen Beitrag zur Eigenversorgung leisten“, sagt Bohne. Gärtnerisches Basiswissen über Boden, Mischkulturen und Pflanzenauswahl hat er in seinem neuen Ratgeber verbunden mit Anregungen für Recyclingprojekte, Kübelgärten bis hin zur Vorstellung sozialer Gemeinschaftsgärten. Die Betonung liegt auf „Ratgeber“. Lifestylebücher, die den Trend des „Urban Gardening“ besingen, aber außer ein paar hübschen Fotos wenig Substanz haben, gibt es ohnehin genug.
Die Prinzessinnengärten in Kreuzberg sind vielleicht das berühmteste Beispiel für eine ungewöhnliche, mitunter unerlaubte Landnahme. Auf der Brachfläche, die dem Land Berlin gehört, werden in Kästen und Containern – Hauptsache beweglich – Biogemüse, Obst und Kräuter gezogen. Der Pachtvertrag wird jeweils nur für ein Jahr verlängert, hier entstehen keine Gartenanlagen für die nächsten Jahrhunderte. Die Nutzung der Brachflächen ist ein organischer Prozess.
Es geht nicht nur um Gemüse, sondern um Gemeinschaft. „Der Gedanke dahinter ist, jeder kann teilhaben und mitmachen. Das kann Nachteile haben, hat vor allem aber viele Vorteile“, sagt Bohne. Diese Experimentierfelder öffnen in seinen Augen das Gärtnern für die nächste Generation. Sie überwinden Alters- und kulturelle Grenzen. „Ist das der Anfang einer neuen Gartenkultur? Ich wusste es anfangs nicht, aber es könnte sein“, meint Bohne. Diese andere Form der Gartenkultur hat etwas Zukunftsweisendes, indem sie Aspekte der Ressourcenschonung (Transportwege, Recycling) mit denen der gesunden Ernährung, der gesellschaftlichen Teilhabe, der Stadtentwicklung, der sozialen Gemeinschaft und des Umweltschutzes zusammenführt.
Bohnes Heimatstadt Braunschweig ist nicht Berlin und eher Entwicklungsland, was gärtnerischen „Wildwuchs“ auf öffentlichen Flächen oder gerade nicht genutzten Grundstücken angeht. Aber neben Fotos aus Kreuzberg zeigen andere den Bebelhof in Braunschweig. Projekte wie der Stadt(Statt-)Garten weisen den Weg, wohin die Entwicklung gehen könnte. Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären, kümmern sich hier um die Pflanzkisten. Die Volkshochschule managt den Gemeinschaftsgarten, sodass viele Unwägbarkeiten von der professionellen Unterstützung bis hin zur finanziellen Ausstattung gleich von vornherein wegfallen. Auch das habe seine Vorteile, sagt Bohne.
Mehr Mut zu mehr Grün in der Stadt, den wünscht er sich oder mit anderen Worten: „Garden your City“.
Burkhard Bohne, Kerstin Mumm (Fotos), „Garden your City“, Verlag Kosmos, 176 Seiten, 334 Farbfotos, Klappenbroschur, ISBN 978-3-440-14971-3, 
20 Euro.

Fake-Felsen

Am Wegesrand entdeckt: ein Felsen wie in Schweden.
"Guck mal, wie in Schweden!" Gerade haben wir am Wegesrand einen verwitterten und mit Moos bewachsenen Felsen entdeckt – und staunen, denn so etwas gibt es bei uns in der Gegend eigentlich nicht. An Steinen haben wir hier zwar keinen Mangel – die Lüneburger Heide ist buchstäblich steinreich –, aber die Steine sehen normalerweise etwas anders aus: Sie sind abgerundet. Das kommt daher, dass sie auf dem langen Weg von Skandinavien während der Eiszeiten abgeschliffen worden sind. Dieser Felsen ist aber schroff und hat Kanten. Den müssen wir uns genau anschauen. Mehrmals schleichen wir um ihn herum und begutachten ihn von allen Seiten, um schließlich festzustellen: Es handelt sich um einen Fake-Felsen. Er ist aus Beton, war wohl einst Teil eines Fundamentes eines Tores, sieht aber täuschend echt aus – als wäre er als Requisit für einen Spielfilm angefertigt worden.

Samstag, 19. März 2016

Stroh per Post

Umweltfreundliches Verpackungsmaterial.
Sich Stroh mit der Post schicken zu lassen, ist vielleicht nicht ganz der richtige Weg, jedenfalls nicht, wenn man so viele Tiere und Ställe hat wie wir. Trotzdem kam da neulich ein Paket mit Stroh an. Eigentlich hatte ich Rosen bestellt, außerdem zwei Schmetterlingshortensien. In den Hinweisen zur Verpackung las ich, dass als umweltfreundliches "Puffermaterial" Stroh verwendet wird, das nach dem Auspacken gern für den Kaninchen- oder auch Meerschweinchenstall verwendet oder auch als Mulch unter Sträucher gepackt werden kann.
Eine gute Idee, finde ich, über das Stroh haben sich unsere Tierchen gefreut und die Pflanzen hat es auf ihrem Versandweg zudem gut vor Schäden geschützt. Allerdings musste ich erst einmal ein wenig "graben", um die Pflanzen überhaupt in dem großen Paket zu finden. Aber das erhöht die Spannung. Heute zog ich dann mit Spaten und Gießwasser in den Vorgarten, um die Neuankömmlinge in die Erde zu bringen. Hoffentlich fühlen sie sich darin so wohl wie in ihrem warmen Strohbett!

Wer schlief denn da im Stroh? Außer der märchenhaften Rose "Cinderella" und zwei Schmetterlingshortensien waren etliche wurzelnackte Rosen mit im Paket, die vor dem Pflanzen erst noch ein Wasserbad in der Regentonne nehmen mussten. Der kleine weiße Rhododendron ist ein Mitbringsel aus dem Supermarkt.

Donnerstag, 17. März 2016

Synchrongähnen

Hier üben sich die Katzen beim Sonnennbaden im Synchrongähnen.
Ja, so ein Sonnenbad macht müde, vor allem wenn es das erste nach dem Winter ist und man es noch nicht wieder gewohnt ist. Die beiden Katzen, die offenbar außer dem Sonnenbaden auch das Synchrongähnen als Hobby haben, waren aber nicht die einzigen, die das traumhafte Wetter heute genossen haben. Auch all die anderen Tiere auf unserem Hof lagen faul herum und ließen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Da war ich, muss ich gestehen, etwas neidisch. Auch ich hätte mich gerne in die Sonne gelegt, zumal ich jetzt schon seit fast zwei Wochen nur noch vier Stunden in der Nacht zum Schlafen komme und entsprechend müde bin. Aber zurzeit ist im Job mal wieder so viel zu tun, dass ich auch nachts arbeiten muss und deshalb auch kaum zum Bloggen komme. Sorry! Wenn man selbstständig ist, neigt man leider dazu, sich selbst auszubeuten. Das geht den meisten anderen Selbstständigen, die ich kenne, auch so, und von daher gehe ich davon aus, dass es ganz normal ist. Dennoch würde ich nie tauschen und Angestellte werden wollen. Auf gar keinen Fall! Zum Glück ist am 10. April Deadline für zwei Projekte, sodass ich danach hoffentlich endlich auch mal in der Sonne liegen und mit den Katzen um die Wette gähnen kann.

Sonntag, 13. März 2016

Die Fensterbank zur Sonnenbank gemacht

Zwar nur ein bescheidener Ersatz für die Sonne draußen, die sich das ganze Wochenende nicht gezeigt hat, aber
besser als nichts.
Da ist der Frühling doch wohl nicht etwa in den Startlöchern stecken geblieben?! Mehr als zwei Grad waren heute nicht drin, und die Sonne ließ sich auch nicht blicken. Egal, der Winter ist ja offiziell noch nicht beendet, und daher wollen wir es ihm nicht übel nehmen, wenn er zum Abschied noch einmal zeigt, was in ihm steckt. Und ehrlich gesagt sind wir auch gar nicht traurig darüber, dass es so winterlich ist, denn wir mussten das ganze Wochenende über arbeiten. Wenn das Wetter besser gewesen wäre, hätten wir uns wahrscheinlich ein wenig geärgert. So aber sitzen wir am Bildschirm, und wenn uns nach ein wenig Sonne zumute ist, gehen wir einfach in die kleine Küche und gucken aus dem Fenster. Die Fensterbank haben wir nämlich zur Sonnenbank umfunktioniert. Die Sonne scheint dort in Form einer gelb blühenden Gerbera. Man muss sich nur zu helfen wissen ...

Donnerstag, 10. März 2016

"Heidekraut" aus den Alpen

Kennt man sonst im Blumentopf als Zimmerpflanze: Die Wildform des Alpenveilchens in einem Vorgarten in einer Straße, die passenderweise Bergstraße heißt.
Überall in den Gärten blühen jetzt die Schneeglöckchen oder Krokusse – wie wir sie erst Vorgestern bestaunt haben. Doch heute entdecken wir etwas, das weder Krokus noch Schneeglöckchen ist. Zwischen braunem Laub schauen rötlich-purpurfarbene Blütchen hervor. Irgendwie exotisch sehen sie aus, ebenso wie die leicht herzförmigen Blätter mit ihrer hellen Maserung. Irgendwie bekannt kommt uns dieses Blümchen vor, aber dann auch wieder nicht.
Wer erwartet schließlich in einem Garten in der Südheide wilde Alpenveilchen? Die Heimat des Europäischen Alpenveilchens (Cyclamen pupurascens) sind die Alpen bis hinein in den Balkan. Es sieht aus wie die Miniaturausgabe der Topfpflanze, die es gerade wieder überall zu kaufen gibt. Ganz so abwegig ist es vielleicht aber doch nicht, dass sich hier in einem Garten ein Alpenveilchen wohlfühlt. Wer sich nämlich die Familienzuordnung des kleinen Gewächses anschaut, erfährt, dass die Cyclamen zur Familie der Primelgewächse gehören und diese wiederum zur Ordnung der Heidekrautartigen. Alpenveilchen in der Heide – das passt eigentlich doch ganz gut zusammen, finden wir.

Mittwoch, 9. März 2016

Grenzgraben

Ein unscheinbarer Graben, und doch hatte er einst große strategische und politische Bedeutung.
Wären da nicht die beiden Hochsitze, es wäre ein friedliches Bild einer Wiesenlandschaft mit einem gut gefüllten Bach. Wer es nicht weiß, würde wohl kaum auf die Idee kommen, dass der Graben einst die Grenze zwischen Ost und West war und dass niemand so wie wir gestern einfach über die kleine Brücke fahren konnte. Die rechte Seite des Bildes war DDR-Gebiet, die linke Seite gehörte der Bundesrepublik. Obwohl seit der Grenzöffnung inzwischen so viele Jahre vergangenen sind, fahren wir immer noch mit einem etwas komischen Gefühl über die Brücke an der Straße zwischen Erpensen und Reddigau. Wenn man im ehemaligen "Zonenrandgebiet" aufgewachsen ist und immer wieder mit der stark befestigten, unmenschlichen Grenze konfrontiert war, betrachtet man solche Orte vielleicht mit anderen Augen.
Der Graben hat übrigens eine lange Geschichte als Grenzgraben. Einst berührten sich hier die Siedlungsräume der Germanen und der Slawen, und später bildete er die Grenze zwischen dem Königreich Hannover und Preußen. Heute stoßen hier die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt aneinander. 

Dienstag, 8. März 2016

Lila Blütenpracht

Lila Blütenpracht an der Uferböschung des Mühlenteiches in Knesebeck, im Hintergrund das Museum "Haus der Landschaft".
"Ach, schau doch wie schön!" Hingerissen stoppen wir vor einem Haus mit einem Vorgarten ganz in zartem Lila, sogar unter dem Zaun sind die Krokusse schon "hindurchgeklettert". Schnell machen wir ein Foto und fahren weiter.
Das muss gemeint sein, wenn auf Blumenzwiebelpackungen in der näheren Pflanzenbeschreibung "verwildert gut" zu lesen ist. Denkbar ist natürlich auch, dass auf diesem Grundstück gleich auf ein Mal hunderte Blumenzwiebeln und nicht nur ein oder zwei Dutzend vergraben worden sind. Nur die, die sich schon außerhalb tummeln, werden sich wohl selbst versamt haben.
Aber egal, wie diese Pflanzenpracht zustande kam, der Anblick weckt unweigerlich Frühlingsgefühle, auch wenn es nach einer frostigen Nacht selbst um die Mittagszeit noch reichlich frisch ist. Die Sonne scheint, die Lerchen steigen singend über den Feldern auf und ab, die Sonne scheint, wir sind glücklich, während wir Kilometer um Kilometer durch kleine Ortschaften, Wald und Wiesen fahren.  
Fast wieder am Ausgangspunkt unserer Radtour werden unsere Erinnerungen erneut wachgerufen, da entdecken wir am Ufer eines Dorfteichs gleich noch einen Fleck voller blühender Krokussse. Es ist noch früh im Jahr für alle Blütengewächse, hier handelt es sich um  sogenannte "Botanische Krokusse", also solche, die züchterisch nicht von Menschen verändert wurden, sondern um reine Wildarten oder Kreuzungen, die daraus hervorgegangen sind. Ihre Blüten sind schmal und zierlich und bieten Bienen und Hummeln schon sehr früh im Jahr ab Ende Februar Nahrung.
Dass uns ausgerechnet heute, am Internationalen Frauentag, die lila Blütenpracht so entzückt – die Farbe als Mischung aus Rot und Blau steht schließlich für die Gleichberechtigung – ist Zufall, die Wildkrokusse kommen auch in Weiß, Gelb und allerlei Mischfarben vor. Trotzdem hat das Lila heute, am 8. März, Symbolbedeutung: Frauen vor unserer Generation haben gegen heftigen Widerstand für Gleichberechtigung und gleiches Wahlrecht gekämpft, wurden dafür verspottet, geschlagen, eingesperrt. Dass wir heute so unbeschwert mit unseren Rädern durch die Landschaft fahren dürfen, haben wir auch ihnen zu verdanken.

Krokusse statt Rasen – entdeckt heute im Vorgarten eines Einfamilienhauses in Suderwittingen.

Montag, 7. März 2016

Verwirrspiel auf der Fensterbank

Heute ein Beitrag von Calluna-Autorin Marion Korth:

Nach einer knappen Woche tut sich etwas im Zimmergewächshaus:  Einige Tomaten keimen, haben heute sogar schon ihre ersten Blätter entfaltet. Am schnellsten sind einmal wieder die Cocktailtomaten: Onkel Gustav (eine alte Regionalsorte), die Schwarze Kirsche, die wunderbare Unaussprechliche (die eigentlich Vesennij Mieurinskij heißt) und – das macht mich nachdenklich – eine Sardinische Minitomate. Dabei hat letztere Sorte es eigentlich nie eilig, und irgendwie sieht das Pflänzchen auch nicht nach einer Sardinischen Minitomate mit ihrem schon im Kleinkindalter gedrungenen Wuchs mit dickem Stängel aus.

Das sind sie, die ersten kleinen, zarten Tomatenpflänzchen.
Ich habe eine böse Vermutung. Da ist mir entweder beim Einpacken der Samen etwas durcheinandergeraten oder mein "Topflageplan" ist falsch, in dem jeder kleine Papiertopf eingemalt und mit der Nummer versehen ist, die ich der entsprechenden Tomatensorte zugeordnet habe. Danach steht die Eins für die Sardinische Minitomate, die Unaussprechliche hat die Vier, Onkel Gustav ist Nummer fünf und so fort. Dritte Möglichkeit: Die kleinen frechen Gartenwichtel, die draußen noch nicht so viel zu tun haben, haben sich einen Spaß mit mir erlaubt und die Töpfchen heimlich umgestellt. Gegen solchen Schabernack ist kein Kraut gewachsen, ansonsten hilft jetzt abzuwarten und Tee zu trinken. Ich bin zuversichtlich, das Rätsel noch auflösen zu können und habe einen Verdacht: Die Rote Murmel gibt sich in diesem Fall als Sardinische Minitomate aus, weil ich ihre Nummern falsch zugeordnet habe. Vielleicht sollte ich im nächsten Jahr doch lieber mit Stecketiketten arbeiten, das könnte eine etwas sicherere Kennzeichnungsmethode als selbstgemalte Lagepläne zu sein ...

Sonntag, 6. März 2016

Fußabdruck

Wir sind immer wieder schwer beeindruckt, wenn wir im Wald die Fußabdrücke – die Biologen sprechen von Trittsiegeln –  eines Dachses entdecken, und das kommt gar nicht so selten vor. Ich habe sie schon oft fotografiert, aber meistens waren die Abdrücke zu schwach, um sie im Foto gut erkennen zu können. Aber heute entdeckten wir eine frische Spur. Nach dem Regen war der Boden ziemlich matschig, und die Abdrücke zeichneten sich darin deutlich ab.

Kein anderes heimisches Raubtier hat so große und starke Krallen wie der Dachs.  

Beeindruckt sind zum einen von der Größe der Abdrücke – dagegen sind die unserer Russell-Terrier geradezu winzig  –, zum anderen von den langen Krallen. Aber Dachse sind ja auch große Tiere, können bis zu 90 Zentimeter lang (den Schwanz nicht mit gerechnet) und 15 bis 20 Kilogramm schwer werden.

Samstag, 5. März 2016

Backkartoffeln mit geraspelten Möhren

Am Abend eines trüben Tages bringen die geraspelten
Möhren  Farbe ins Spiel.
Wenn es draußen so ungemütlich ist wie heute, dann freut man sich besonders über ein leckeres Abendessen. Deshalb habe ich heute endlich mal wieder eines unserer Lieblingsgerichte zubereitet: Backkartoffeln mit roten Schalotten in pfeffriger Soja-Crème und dazu geraspelte süße Möhren.
Das Ganze ist ebenso lecker wie simpel in der Zubereitung – und selbstverständlich vegan und glutenfrei.
Hier alle Zutaten (für zwei hungrige Personen) in der Reihenfolge ihres Auftretens in der Küche:

• 1 kg Bio-Möhren
• 2 Esslöffel Rohrohrzucker
• 1 Bio-Zitrone
• 2 Esslöffel Raps- oder Sonnenblumenöl
• 1 kg Bio-Kartoffeln mehlig kochend
• 250 g Soja-Crème
• 2 rote Schalotten
• 1 Schuss Leinöl
• reichlich weißer Pfeffer aus der Mühle
• eine kräftige Prise Salz
• etwas Petersilie (frisch oder TK)

Zubereitung
Zuerst putze ich die Möhren und raspele sie in eine Schüssel und bestreue sie mit dem Rohrzucker. Darüber gebe ich den Saft einer Zitrone und zwei Esslöffel Öl. Mit einem großen Löffel rühre ich die Zutaten leicht unter. Mit einem Teller abgedeckt stelle ich die geraspelten Möhren beiseite. Nach einer halben Stunde sind sie schön saftig und unglaublich lecker.
Nach den Möhren kommen die Kartoffeln an die Reihe. Wir nehmen für Backkartoffeln (und auch sonst) eine mehlig kochende Sorte – einerseits wegen der kurzen Zubereitungszeit, andererseits weil wir fest kochenden Kartoffeln nur in Form von Pommes Frites oder Kartoffelchips mögen, diese aber so gut wie nie essen. Um die Backzeit im Ofen zu verkürzen, gebe ich die gewaschenen Kartoffeln in einen Topf, bedecke sie mit Wasser und lasse sie eine Viertelstunde kochen. Anschließend gieße ich das Wasser ab und lege die Kartoffeln auf den Rost im Backofen, den ich auf 250 Grad vorgeheizt habe. Damit die Schale schön knusprig wird, empfiehlt es sich, nach fünf bis zehn Minuten auf Oberhitze oder Grill umzuschalten. Dann aber bitte gut aufpassen, damit die Kartoffeln nicht verkohlen!
Während die Kartoffeln backen, schneide ich die roten Schalotten klein, und rühre sie in die Soja-Crème. Etwas Leinöl sorgt für eine schöne Konsistenz (und ist obendrein sehr gesund). Jetzt kommen noch Pfeffer, Salz und Petersilie dazu, und fertig ist das köstliche Kartoffel-"Dressing".

Freitag, 4. März 2016

White Roadrunner zeigt zartes Grün

Noch winzig, aber schon in leuchtendem Frühlingsgrün präsentieren sich die ersten 
Blätter der White Roadrunner.
Das erste zarte Frühlingsgrün ist doch immer das schönste. Nach dem Winter sehnt man sich ja geradezu danach. Um es zu entdecken, muss man allerdings genau hinschauen, denn noch ist es klein und unscheinbar, aber von Tag zu Tag wird es größer und zahlreicher. Heute waren es die ersten neuen Blätter unserer Bodendeckerrose White Roadrunner. Wenn sich die Blätter komplett entfaltet haben und zu voller Größe herangewachsen sind, werden sie mit ihrer runzligen Oberfläche eine starke Ähnlichkeit mit den Blättern der Kartoffelpflanze haben, und deshalb wird die Rosa rugosa auch Kartoffelrose genannt. Sie bildet im Herbst richtig dicke Hagebutten, die auch git in der Küche verwendet werden können – zum Beispiel für Marmelade oder in getrocknetem Zustand für Tee.
Wie der Name schon andeutet, bildet die Sorte White Roadrunner weiße Blüten, die auch sehr schön duften.

Donnerstag, 3. März 2016

Ein Hauch von Sommer im Haus

Die Wetteraussichten für das Wochenende sind nicht so prickelnd. Aber wir wollen uns nicht beschweren, schließlich haben wir offiziell noch Winter. Außerdem können wir uns damit trösten, dass – wenn schon nicht draußen – immerhin drinnen schon ein bisschen Frühling ist. Ein paar blühende Frühlingsblumen bewirken in dieser Hinsicht wahre Wunder. Und einen kleinen optischen Vorgeschmack auf den Sommer haben wir auch schon – in Form der Bauernhortensie, deren Blütenblätter zwischen Zartrosa und Champagnerfarbe changieren und gegen den Spätwinter anleuchten.

Mit der blühenden Bauernhortensie haben wir schon jetzt ein bisschen Sommer im Haus.

Mittwoch, 2. März 2016

Auf spiegelglatter Straße

Nächtliche Hunderunde auf spiegelglatter 
Straße durchs ziemlich dunkle Dorf.
Der meteorologische Frühling hat bereits begonnen, aber dem Kalender zufolge haben wir noch knapp drei Wochen Winter, und der bäumt sich zum Abschied noch einmal auf. Gestern machten wir unsere allabendliche Hunderunde kurz vor Mitternacht durchs Dorf im Schnee. Heute war der Schnee schon wieder weg, aber dafür kamen wir heftig ins Rutschen. Bei minus zwei Grad auf spiegelglatter Straße bei  waren wir Zweibeiner gegenüber den Vierbeinern klar im Nachteil.

Dienstag, 1. März 2016

Bodenleben der besonderen Art

Bei 60 Maulwurfshügeln habe ich aufge-
hört zu zählen.
Heute ein Beitrag von Calluna-Autorin Marion Korth:

Im Untergrund wird fleißig gebuddelt. Überall zeugen dunkle Erdhaufen von der unermüdlichen Tätigkeit der Maulwürfe, die in diesem Winter kaum zu einer frostbedingten Ruhephase verdonnert waren. Manchmal ziehen die Hügel sich entlang einer langen Kette, bei uns auch. Nur, dass die Hügel hier keine mehr oder minder gerade Linie, sondern einen Halbkreis beschreiben. Dass Pilze kreisförmig aus der Erde wachsen, ist bekannt, aber Maulwurfshügel? Genau im Traufbereich einiger großer Eichen war die Futtersuche offenbar besonders ergiebig oder die Erde schön feucht, denn das Eichenlaub sitzt ja lange am Baum und leitet das Regenwasser genau entlang dieser Kreislinie zu den Saugwurzeln der Bäume.
Bei 60 Erdhügeln habe ich aufgehört zu zählen. Ja, hier scheint sich ein ideales Maulwurfsrevier zu befinden. Zum Glück wuchs an dieser Stelle kein gestriegelter "Golfrasen". Uns stört die Buddelei nicht und unsere Schafe schon gar nicht.